Praxis der Geldwäscheprävention | AMLA | Geldwäscheprävention
Umgang mit FATF-, EU- und BaFin-Veröffentlichungen zu Hochrisiko- und Beobachtungsstaaten
Länderrisiken gehören zu den zentralen Risikofaktoren innerhalb der Geldwäscheprävention.
Internationale Konflikte, geopolitische Entwicklungen, schwache staatliche Kontrollsysteme, Korruption, Terrorismusfinanzierung sowie Defizite bei der Bekämpfung der Geldwäsche können dazu führen, dass Staaten als Hochrisiko- oder Beobachtungsstaaten eingestuft werden.
Für Verpflichtete nach dem Geldwäschegesetz ergeben sich daraus erhebliche praktische Auswirkungen auf Risikoanalyse, Kundenannahme, Monitoring, Sorgfaltspflichten und Kontrollhandlungen.
Besonders relevant sind dabei Veröffentlichungen der:
- Financial Action Task Force (FATF)
- Europäischen Union
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
Warum Länderrisiken regulatorisch relevant sind
Länderrisiken beeinflussen unmittelbar die Bewertung von Kunden-, Produkt. und Transaktionsrisiken.
Staaten mit strategischen Defiziten bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gelten regulatorisch als besonders risikobehaftet.
Geschäftsbeziehungen oder Transaktionen mit Bezug zu solchen Staaten können daher erhöhte Anforderungen auslösen.
Dies betrifft insbesondere
- verstärkte Sorgfaltspflichten
- intensiviertes Monitoring
- zusätzliche Dokumentationspflichten
- erweiterte Prüfungsmaßnahmen
- risikoorientierte Genehmigungsprozesse
Die Rolle der FATF
Die Financial Action Task Force (FATF) ist das wichtigste internationale Standardsetzungsgremium im Bereich der Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Proliferationsfinanzierung.
Die FATF veröffentlicht regelmäßig Bewertungen zu Staaten mit erhöhten Risiken oder strategischen Defiziten.
Besonders relevant sind:
- Jurisdictions under Increased Monitoring ("Grey List")
- High-Risk Jurisdictions subject to a Call for Action ("Black List")
Die FATF-Einstufungen haben erheblichen Einfluss auf nationale und europäische Aufsichtspraxis.
Die Rolle der Europäische Union
Die Europäische Union führt eigene Listen von Hochrisikostaaten auf Grundlage delegierter Verordnungen.
Besonders relevant ist die Delegierten Verordnung (EU) 2016/1675 in ihrer jeweils gültigen Fassung.
Die EU berücksichtigt dabei unter anderem:
- FATF-Bewertungen
- eigene Risikoanalysen
- geopolitische Entwicklungen
- Defizite nationaler AML/CFT-Systeme
Die Aufnahme eines Staaten in die EU-Liste führt unmittelbar zu verstärkten Sorgfaltspflichten nach dem Geldwäschegesetz.
Die Rolle der BaFin
Die BaFin veröffentlicht regelmäßig Rundschreiben und Hinweise zu Hochrisikostaaten sowie zu Risiken aus Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Proliferationsfinanzierung.
Die Rundschreiben dienen insbesondere dazu:
- Verpflichtete über aktuelle Änderungen zu informieren
- internationale Entwicklungen regulatorisch einzuordnen
- praktische Auswirkungen auf die Geldwäscheprävention zu konkretisieren
In der Praxis sind diese Veröffentlichungen ein wichtiger Bestandteil regulatorischer Risikoüberwachung.
Unterschied zwischen Sanktionen und Hochrisikoländern
Häufig werden Hochrisikoländer und Sanktionsstaaten gleichgesetzt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um unterschiedliche regulatorische Themenfelder.
Hochrisikoländer betreffen insbesondere:
- Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsrisiken
- Defizite staatlicher Kontrollsysteme
- verstärkte Sorgfaltspflichten
Sanktionen betreffen insbesondere:
- verbotsbewehrte Maßnahmen
- Embargos
- Bereitschaftsverbote
- gelistete Personen und Organisationen
In der Praxis bestehen jedoch häufig Überschneidungen zwischen beiden Bereichen.
Praktische Auswirkungen auf Institute
Die Einstufung eines Landes als Hochrisiko- oder Beobachtungsstaat kann erhebliche operative Auswirkungen haben.
Besonders betroffen sind:
- Kundenannahmeprozesse
- Transaktionsmonitoring
- Korrespondenzbeziehungen
- internationale Zahlungsströme
- Trade Finance
- wirtschaftlich Berechtigte
- komplexe Beteiligungsstrukturen
Institute müssen dabei risikobasiert bewerten, ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind.
Bedeutung für Geldwäschebeauftragte
Für Geldwäschebeauftragte sind Veröffentlichungen zu Hochrisikoländern ein zentraler Bestandteil laufender Risikoüber-wachung.
Relevante Aufgaben können insbesondere sein:
- Aktualisierung der Risikoanalyse
- Anpassung von Länder-Risikoscores
- Überprüfung von Monitoring-Szenarien
- Aktualisierung interner Arbeitsanweisungen
- Durchführung zusätzlicher Kontrollhandlungen
- Schulungen relevanter Mitarbeitergruppen
Bedeutung für Prüfer und Interne Revision
Auch Prüfer und Interne Revisionen betrachten den Umgang mit Länderrisiken zunehmend als wesentlichen Prüfungsbereich.
Typische Prüfungsfragen sind:
- Werden Länderlisten aktuell gepflegt?
- Werden Änderungen regulatorisch nachvollziehbar umgesetzt?
- Sind verstärkte Sorgfaltspflichten dokumentiert?
- Werden Hochrisikoländer in Monitoring-Systemen berücksichtigt?
- Ist die Risikoanalyse aktuell und konsistent?
Strategische Entwicklung
Die Bedeutung geopolitischer Risiken nimmt regulatorisch weiter zu. Geldwäscheprävention, Sanktionen, Terrorismusfinanzierung und Proliferationsfinanzierung werden zunehmend betrachtet.
Dadurch steigen die Anforderungen an:
- Risikobewertung
- Datenqualität
- Monitoring-Systeme
- internationale Kontrollprozesse
- Governance-Strukturen
Fazit
FATF-, EU- und BaFin-Veröffentlichungen zu Hochrisiko- und Beobachtungsstaaten sind weit mehr als reine Länderlisten. Sie bilden eine wesentliche Grundlage moderner Geldwäscheprävention und haben unmittelbare Auswirkungen auf Risikoanalyse, Monitoring, Kundenannahme und Kontrollsysteme.
Für Verpflichtete bleibt eine laufende Beobachtung regulatorischer Entwicklungen im Bereich der Länderrisiken daher ein zentraler Bestandteil wirksamer Geldwäscheprävention.